{"id":1286,"date":"2025-03-11T19:34:00","date_gmt":"2025-03-11T19:34:00","guid":{"rendered":"https:\/\/danagreiner.com\/?post_type=exhibitions&#038;p=1286"},"modified":"2025-03-23T14:32:02","modified_gmt":"2025-03-23T14:32:02","slug":"doppelkaseplatte","status":"publish","type":"exhibitions","link":"https:\/\/danagreiner.com\/de\/exhibitions\/doppelkaseplatte\/","title":{"rendered":"DOPPELK\u00c4SEPLATTE, Kunstmuseum Stuttgart"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Arbeit Jamais -Vu spielt auf den Jamais-Vu Effekt an. Das Jamais-vu-Erlebnis (<em>franz. f\u00fcr niemals gesehen<\/em>) beschreibt das Gegenteil vom D\u00e9j\u00e0-vu-Erlebnis. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bei diesem psychologischen Ph\u00e4nomen wird eine Person, ein Umstand oder ein Ort \u2013 obwohl eigentlich bekannt \u2013 als v\u00f6llig fremd oder neu empfunden. Das Erlebnis findet unter \u00e4hnlichen Umst\u00e4nden wie das D\u00e9j\u00e0-vu-Erlebnis statt und ist von der gleichen emotionalen Irritation begleitet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"614\" src=\"https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/auswahl-jamais-vu-website_neu-1-1024x614.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1296\" srcset=\"https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/auswahl-jamais-vu-website_neu-1-1024x614.jpg 1024w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/auswahl-jamais-vu-website_neu-1-300x180.jpg 300w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/auswahl-jamais-vu-website_neu-1-768x461.jpg 768w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/auswahl-jamais-vu-website_neu-1-1536x921.jpg 1536w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/auswahl-jamais-vu-website_neu-1.jpg 2006w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die beiden \u201eKniefallbilder\u201c, die auf der in Bitumen getr\u00e4nkten Glasbausteinpyramide balancieren, schreiten gezielt aufeinander zu und schaffen ein pers\u00f6nliches Spannungsfeld zwischen sich. Die beiden Bildfl\u00e4chen sind einander zugewandt und wirken in dieser Ausrichtung indifferent gegen\u00fcber den Betrachter*innen, da nur der r\u00fcckseitige Bildaufbau der Hinterglasmalerei den Besucher*innen frontal begegnet. Umgeben sind die Kniefallbilder von 441 r\u00fcckseitig bemalten Glasbausteinen, die in 4&#215;4 Metern ein Quadrat um die zwei Protagonist*innen bilden. Aus der Vogelperspektive ergibt auch dieses Mosaik ein zusammenh\u00e4ngendes Bild und h\u00e4lt den Moment des Jamais-Vus wie eine Photographie zusammen. Der Wechsel zwischen Bewegung und Stillstand der von Au\u00dfen herantretenden Betrachter*innen ist integraler Bestandteil der Installation. Die unregelm\u00e4\u00dfige Struktur der bemalten Glasbausteine l\u00e4sst das Bild je nach Standpunkt immer wieder anders erscheinen, die abgezirkelten geometrischen Figuren verziehen sich und verlaufen, was den Eindruck von Momentaufnahme und zeitlichen Verlauf verst\u00e4rkt. Es hei\u00dft, dass sich Momente der Irritation zeitlich relativ zu dem eigentlichen Zeitverlauf verhalten. Man sp\u00fcrt eine Verlangsamung oder gar einen Stillstand in dieser besonderen Situation. Dieser vermeintliche Stillstand des Werkes wird durch den Balanceakt auf der Pyramide, die malerische Bewegung der Polyesterfadenschleppe und der hypnotisch wirkenden Konzentration der sich anblickenden Bildfl\u00e4chen aufgebrochen und lediglich verlangsamt, er erstarrt nicht. Das zeitliche und visuelle Gegenst\u00fcck dazu bilden dabei die Besucher*innen, die sich frei um die Arbeit herumbewegen &#8211; und aus jeder Perspektive neue Blickwinkel erlangen k\u00f6nnen. Jamais-Vu soll hierbei diese beiden Momente im Raum gleichzeitig sichtbar machen. Das Kunstwerk, das erst durch den menschlichen Blick erwacht, integriert diesen als notwendige r\u00e4umliche und zeitliche Instanz mit in die Gesamtkomposition dieses Jamais- Vu Moments.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"755\" src=\"https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Auswahl3_website-1024x755.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1290\" srcset=\"https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Auswahl3_website-1024x755.jpg 1024w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Auswahl3_website-300x221.jpg 300w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Auswahl3_website-768x566.jpg 768w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Auswahl3_website-1536x1133.jpg 1536w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Auswahl3_website-2048x1510.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eJamais-Vu\u201c ist in diesem Zusammenhang eine Referenz \u2013 eine Erinnerung daran, dass wir in Bildern immer wieder Neues entdecken k\u00f6nnen. Die beiden in ihren Rahmen gefassten Figuren blicken sich im \u201eKniefall\u201c ergeben und fokussiert an \u2013 wie zwei Spiegel, die sich st\u00e4ndig neu betrachten und sich unentwegt aufeinander beziehen. Sie reflektieren in diesem Zustand die eigene bildnerische Identit\u00e4t sowie die ihres Gegen\u00fcbers. Der Moment des Sehens und Erkennens wird st\u00e4ndig erweitert.\u00a0 Die Komposition der Bildfl\u00e4chen nimmt Bezug auf das Mosaik und ist in ihrem Echo zu diesem ein sich r\u00fcckversichernder Bestandteil der Arbeit. Die zentrale Pyramide aus in dunkles Bitumen getr\u00e4nkten Glasbausteinen tr\u00e4gt nicht nur die Bilder, sondern auch sich selbst, da ein St\u00fcck der Pyramide fehlt und eine L\u00fccke hinterl\u00e4sst. Dieses fehlende Teil l\u00e4sst die Arbeit und den Moment vor dem geistigen Auge potenziell einst\u00fcrzen und l\u00e4sst die Vorstellung des Austausches und Neugestaltens eines sich unentwegt aufbauf\u00e4higen, geschlossenen Systems der Wahrnehmung zu. Die Glasbausteine, die an manchen Stellen fehlen oder unregelm\u00e4\u00dfig aufgestellt sind, wirken wie Erinnerungsl\u00fccken, welche die bruchst\u00fcckhafte Natur von Eindr\u00fccken und Wahrnehmungen widerspiegeln.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Auswahl4_website-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1291\" srcset=\"https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Auswahl4_website-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Auswahl4_website-300x200.jpg 300w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Auswahl4_website-768x512.jpg 768w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Auswahl4_website-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Auswahl4_website-2048x1367.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Von Au\u00dfen ist man unweigerlich in die Situation eingebunden und erlebt die Installation als eine Art interaktive, voyeuristische Beobachtung. Der Moment wird zur Rahmenhandlung, die sich durch das Umrunden der Installation immer wieder neu definiert\/gestaltet. Der Titel Jamais-Vu ist keine ausschlie\u00dfliche Beschreibung der Arbeit. Er bewegt sich erfahrungsgebend mit dem Werk an sich mit.<\/p>\n\n\n\n<h2>K\u00fcnstler:innen&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p>Frank Ahlgrimm, Albrecht\/d., atelierJAK, Yael Bartana, Tim Berresheim, Gerda Brodbeck, Andrea B\u00fcttner, Otto Dix, Karl Duschek, Simone Eisele, Dietrich Fricker, Peter Granser, Dana Greiner, Vivian Greven, Susanne Hofmann, Johannes Itten, Christian Jankowski, Anne Marie Jehle, Ida Kerkovius, Fritz Lang, Josephine Meckseper, Markus Oehlen, Dieter Roth, K.R.H. Sonderborg, Anton Stankowski, Kara Walker, Ina Weber, Ben Willikens, Lambert Maria Wintersberger, Andr\u00e9 Wischnewski, Sonja Yakovleva, Haegue Yang, Hannah Zenger<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die beiden \u201eKniefallbilder\u201c, die auf der in Bitumen getr\u00e4nkten Glasbausteinpyramide balancieren, schreiten gezielt aufeinander zu und schaffen ein pers\u00f6nliches Spannungsfeld zwischen sich. Die beiden Bildfl\u00e4chen sind einander zugewandt und wirken in dieser Ausrichtung indifferent gegen\u00fcber den Betrachter*innen, da nur der r\u00fcckseitige Bildaufbau der Hinterglasmalerei den Besucher*innen frontal begegnet. Umgeben sind die Kniefallbilder von 441 r\u00fcckseitig bemalten Glasbausteinen, die in 4&#215;4 Metern ein Quadrat um die zwei Protagonist*innen bilden. Aus der Vogelperspektive ergibt auch dieses Mosaik ein zusammenh\u00e4ngendes Bild und h\u00e4lt den Moment des Jamais-Vus wie eine Photographie zusammen. Der Wechsel zwischen Bewegung und Stillstand der von Au\u00dfen herantretenden Betrachter*innen ist integraler Bestandteil der Installation. Die unregelm\u00e4\u00dfige Struktur der bemalten Glasbausteine l\u00e4sst das Bild je nach Standpunkt immer wieder anders erscheinen, die abgezirkelten geometrischen Figuren verziehen sich und verlaufen, was den Eindruck von Momentaufnahme und zeitlichen Verlauf verst\u00e4rkt. Es hei\u00dft, dass sich Momente der Irritation zeitlich relativ zu dem eigentlichen Zeitverlauf verhalten. Man sp\u00fcrt eine Verlangsamung oder gar einen Stillstand in dieser besonderen Situation. Dieser vermeintliche Stillstand des Werkes wird durch den Balanceakt auf der Pyramide, die malerische Bewegung der Polyesterfadenschleppe und der hypnotisch wirkenden Konzentration der sich anblickenden Bildfl\u00e4chen aufgebrochen und lediglich verlangsamt, er erstarrt nicht. Das zeitliche und visuelle Gegenst\u00fcck dazu bilden dabei die Besucher*innen, die sich frei um die Arbeit herumbewegen &#8211; und aus jeder Perspektive neue Blickwinkel erlangen k\u00f6nnen. Jamais-Vu soll hierbei diese beiden Momente im Raum gleichzeitig sichtbar machen. Das Kunstwerk, das erst durch den menschlichen Blick erwacht, integriert diesen als notwendige r\u00e4umliche und zeitliche Instanz mit in die Gesamtkomposition dieses Jamais- Vu Moments.<\/p>\n<p>\u201eJamais-Vu\u201c ist in diesem Zusammenhang eine Referenz \u2013 eine Erinnerung daran, dass wir in Bildern immer wieder Neues entdecken k\u00f6nnen. Die beiden in ihren Rahmen gefassten Figuren blicken sich im \u201eKniefall\u201c ergeben und fokussiert an \u2013 wie zwei Spiegel, die sich st\u00e4ndig neu betrachten und sich unentwegt aufeinander beziehen. Sie reflektieren in diesem Zustand die eigene bildnerische Identit\u00e4t sowie die ihres Gegen\u00fcbers. 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