{"id":988,"date":"2022-09-14T20:31:57","date_gmt":"2022-09-14T20:31:57","guid":{"rendered":"https:\/\/danagreiner.com\/?post_type=exhibitions&#038;p=988"},"modified":"2022-09-14T20:33:29","modified_gmt":"2022-09-14T20:33:29","slug":"clandestine-encore","status":"publish","type":"exhibitions","link":"https:\/\/danagreiner.com\/de\/exhibitions\/clandestine-encore\/","title":{"rendered":"Clandestine Encore"},"content":{"rendered":"\n<p>August &#8211; September 2022, Lost weekend gallery, Munich<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Clandestine Encore<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Clandestine Encore \u2013 heimliche Zugabe. Das ist der Titel, den Cora W\u00f6llenstein und Dana Greiner f\u00fcr die 17. Ausstellung von Lost Weekend meets Young Art ausgew\u00e4hlt haben. F\u00fcr Cora schildert er einen \u201eMoment der Ungewissheit in der Begeisterung\u201c. Treffender k\u00f6nnte man das Erleben ihrer Werke wohl nicht in Worte fassen. Den Arbeiten beider K\u00fcnstlerinnen sind Momente der Introversion gemein. Momente, in denen man das Gef\u00fchl hat, die Bilder entziehen sich mehr, als dass sie sich deuten lassen. Und genau dieses Spiel zwischen Pr\u00e4sentation bei gleichzeitigem Entzug ist es, was die Arbeiten beider K\u00fcnstlerinnen bestimmt und zusammenzieht. Dana Greiner, 34, hat Malerei studiert, versteht sich allerdings nicht als klassische Malerin. Die K\u00fcnstlerin reizt das Spiel mit Gattungsgrenzen, die sie ungern akzeptiert. Malerei, raumgreifende Installationen, musikalische Kompositionen oder auch eine Gemengelage aus Allem &#8211; ihr ist es wichtig, sich nicht festzulegen. In vielen ihrer Arbeiten l\u00e4sst sich eine Liebe zu&nbsp; geometrischen Formen und Neonfarben feststellen. 2014 wurde sie durch Pia Fries&nbsp;an der Akademie der Bildenden K\u00fcnste in M\u00fcnchen&nbsp;zur Meistersch\u00fclerin ernannt und machte dort 2017 ihr Diplom. Auch Cora W\u00f6llenstein, 34, will sich ungern auf ein Medium festlegen. Auch wenn ihre erste Liebe die Malerei gewesen sei, ist es der K\u00fcnstlerin wichtig, \u201evon der Wand wegzukommen\u201c. Und das geschieht zumeist in Form von Bildhauerei. Das gemeinsame Sujet all ihrer Arbeiten, ist das des M\u00e4rchens. Ihre \u00d6lgem\u00e4lde, Textilobjekte und Installationen weisen durch Motive wie Schw\u00e4ne, Perlen oder lange Z\u00f6pfe einen Hang zum Fantastischen auf. Sie scheinen Geschichten zu erz\u00e4hlen, die bei den Betrachter:innen unweigerlich Kindheitsreminiszenzen ausl\u00f6sen. Wolfgang Ellenrieder ernannte sie&nbsp;&nbsp;2018 an der Hochschule f\u00fcr Bildende K\u00fcnste in Braunschweig zur Meistersch\u00fclerin.<\/p>\n\n\n\n<p>Die K\u00fcnstlerinnen haben uns zu einem gemeinsamen Gespr\u00e4ch gebeten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5187-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-995\" srcset=\"https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5187-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5187-300x200.jpg 300w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5187-768x512.jpg 768w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5187-1536x1025.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Lost Weekend meets Young Art: Wieso wolltet ihr das Interview zusammen machen?&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><br class=\"\">Dana Greiner:<\/strong>&nbsp;Wegen eines magischen Moments, der bei unserem Kennenlernen eingetreten ist. Wir kannten uns ja nicht, erst Jaemin Lee, der Kurator von Lost Weekend meets Young Art, hat uns zusammengebracht. Am Anfang haben wir kurz lose geschrieben: Was k\u00f6nnte man sich vorstellen? Zieht jeder seine eigene Arbeit durch, oder hat man einen gemeinsamen \u00dcberbau? Ich hatte schon eine genaue Vorstellung und wie sich rausstellte, Cora auch. Ich habe Cora geschrieben, dass es um Vorh\u00e4nge und Erweiterung geht. Und verr\u00fcckter- bzw. magischerweise bei Dir ja auch, Cora.&nbsp; Und als wir uns dann kennengelernt haben, hat alles sofort gestimmt und wir konnten fabelhaft miteinander sprechen und arbeiten. Bei all den \u00dcberschneidungspunkten und nach f\u00fcnft\u00e4gigem Beieinandersein, ist ein gemeinsames Interview eigentlich eine folgerichtige Konsequenz. Vor allem, weil es trotz der getrennten Arbeiten zu einer Gemeinschaftsarbeit geworden ist, da Gedanken von uns allen in die H\u00e4ngungen eingeflossen sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Cora W\u00f6llenstein:&nbsp;<\/strong>Ja, genau. Das Zusammenkommen mit Dana war ein wahnsinnig positives Erlebnis, das ich so nur selten erlebe. Ohne viel Absprache oder Vorbereitung kamen wir direkt auf ein gemeinsames Motiv in unserer Arbeit, das uns verbindet: der Vorhang. Obwohl wir sehr verschieden arbeiten, war der gemeinsame Aufbau unbeschreiblich symbiotisch. Fast alle Entscheidungen bez\u00fcglich der H\u00e4ngungen und der Gestaltung der R\u00e4umlichkeiten wurden zusammen getroffen. F\u00fcr mich war direkt klar, dass wir die Ausstellung wirklich zusammen machen und damit ging f\u00fcr mich auch das Interview einher.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LWMA:<\/strong>&nbsp;<strong>Dana, wenn man sich mit deinen Arbeiten besch\u00e4ftigt, kann man feststellen, dass du multimedial arbeitest. Du malst, arbeitest aber auch installativ und verwendest ebenso Elemente aus dem Theater oder der Musik. Was reizt dich an diesen Kombinationen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dana:<\/strong>&nbsp;Eigentlich spielen die Fragen, die man sich stellt, eine viel gr\u00f6\u00dfere Rolle als eine Technik, auf die man sich festlegen will. Die unterschiedlichen Medien sind einfach nur Satzzeichen und Vokabular. Da ich nach langer Zeit endlich eine Form gefunden habe, Grenzen der unterschiedlichen Kunstgattungen f\u00fcr mich sinnhaft zu verbinden, bin ich mit dem Wortschatz, den ich mir momentan zur Verf\u00fcgung gestellt habe, sehr gl\u00fccklich. Es gibt f\u00fcr mich keinen Grund, sich zu begrenzen, wieso auch? Eine Definition ist f\u00fcr eine Beschreibung nat\u00fcrlich immer attraktiv. Aber es geht mir um den Ausdruck, die Atmosph\u00e4re und die Zwischenr\u00e4ume, die sich zu einem Bild, einer Wahrnehmung zusammenf\u00fcgen, nicht ausschlie\u00dflich um die Vielfalt der genutzten Medien oder den technischen Anteil. In meinen \u201eL\u00fcden in Ekcten\u201c, die sich wie ein abstraktes Theaterst\u00fcck in unterschiedlichen Akten erleben lassen, verbinde ich \u201estatische\u201c Malerei mit Projektion, Musik, Text und Skulptur. Diese erweitern sich gegenseitig und \u00e4ndern Kontexte und zeitliche Verlaufsformen durch das Spiel mit Bewegung und Statik. Wie in einem dramaturgischen Staffellauf l\u00f6st jede Kunstgattung die andere an der \u00dcberschneidungskante ihrer naturgegebenen Grenze ab und l\u00e4sst das erweiternde Medium zum Zug. Die gemeinsamen Schnittstellen und \u00dcberlappungen sind f\u00fcr mich hier interessant.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LWMA: Bei fast allen deinen Arbeiten l\u00e4sst sich ein Interesse an geometrischen Formen feststellen, das du mal malerisch mal installativ zur Schau stellst. Woher kommt dieses Interesse und was genau l\u00e4sst dich an der Arbeit mit diesen Formen festhalten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dana:<\/strong>&nbsp;F\u00fcr mich l\u00e4sst sich mit diesen Formen einfach nahezu ausnahmslos alles ausdr\u00fccken. Alle K\u00f6rper bestehen aus geometrischen Formen, und selbst Gef\u00fchle und Verstecke, Prozesse und neutrale Zust\u00e4nde k\u00f6nnen sich je nach Kombinatorik in geometrischen Figuren ausdr\u00fccken lassen. In Verbindung mit Farben, unterschiedlichem Malmaterial sowie Lesegewohnheiten, die man unterstreichen und\/oder gezielt brechen kann, werden diese Formen dann charakterisiert und untereinander in Beziehung gesetzt. Symmetrie, gerade\/ungerade\/prim, Ungenauigkeiten, an denen man h\u00e4ngen bleibt u.s.w., das alles wird zu einem komplexen Gef\u00fcge, das man in eine fortw\u00e4hrende Kommunikation setzen kann und trotz allem ein Ende findet. Wie ein Freeze einer Szene, eine Momentaufnahme, dessen Vorher und Nachher man zu kennen glaubt, diese bildliche Kommunikation sch\u00fctzt und best\u00e4rkt ohne sie jedoch abzubrechen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LWMA: Neben der Arbeit mit geometrischen Formen zieht sich auch die Wahl stark leuchtender Farben wie ein roter Faden durch deine Werke. Was zieht dich an diesen Farben an? Ist es ein Interesse am Artifziellen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dana:&nbsp;<\/strong>Ehrlich gesagt frage ich mich das auch. Ich habe momentan schon die Theorie, dass ich leuchtende Farbe so gerne nutze, weil ich immer eher nachts, bzw. im Neonlicht des Halbdunklen arbeite. Das ist es aber, glaube ich, nicht. Ich habe mich eigentlich schon als Kind von Neonfaben mehr angezogen gef\u00fchlt als von Pastellen. Die Assoziation mit Neon ist oft schreierisch und geht bis zum Trash. Aber f\u00fcr mich haben diese Farben ein gro\u00dfes Potenzial f\u00fcr Traurigkeit, je nachdem, in welcher Form sie auftreten und womit sie in Verbindung gesetzt werden. Neonfarben verlieren sofort an Strahlkraft, wenn sie in Ber\u00fchrung mit einer anderen Farbe kommen. Deshalb stehen sie eigentlich immer allein, unver\u00e4ndert, ungemischt. Nur die Umgebung setzt sie in ein anderes Wahrnehmungsfeld. Sie sind abh\u00e4ngig von anderen. Das macht sie vielleicht so besonders f\u00fcr mich. Gl\u00fccklich und ausdrucksstark in sich selbst, abh\u00e4ngig von der Au\u00dfenwelt und anf\u00e4llig f\u00fcr Fehlinterpretation. Damit lassen sich viele Geschichten erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5193-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-996\" srcset=\"https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5193-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5193-300x200.jpg 300w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5193-768x512.jpg 768w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5193-1536x1025.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>LWMA: Dana, lass uns \u00fcber deine Werke, die du f\u00fcr die Ausstellung ausgew\u00e4hlt hast, sprechen. Eines der Schaufenster zeigt eine Art Kaleidoskop geometrischer Formen, die sich gegenseitig \u00fcberlagern und in Gr\u00fcn-, Blau-, Orange- und Rosat\u00f6nen erleuchten. Eingefasst ist das Bild von einem orangenen Rahmen. Es h\u00e4ngt vor einem Vorhang, der das Motiv des Bildes nicht nur aufzugreifen, sondern auch zu erweitern scheint, und an dessen Ende lilane F\u00e4den h\u00e4ngen. Das zweite von dir gestaltete Fenster funktioniert \u00e4hnlich. Allerdings hast du vor der Arbeit auf Plexiglas einen elektrischen Vorhang angebracht, der das Bild in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden verdeckt oder zeigt. Nimm uns bitte mit in die Entstehungsprozesse.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dana:<\/strong>&nbsp;Das ist eine etwas bl\u00f6de Geschichte. Das erste meiner Fenster von links war urspr\u00fcnglich anders konzipiert. Ich habe eigentlich zwei Arbeiten entwickelt, die mit einer automatischen Vorhangstange arbeiten, an deren Seiten bedruckte Stoffe h\u00e4ngen, die die reale Malerei (Preplex Serie) links und rechts erweitern, sich aber auch zu einem einheitlichen Bild auf Stoff formieren, wenn sich der Vorhang schlie\u00dft. Wir hatten alles aufgebaut und installiert und ich dachte, ich muss nur noch die Vorh\u00e4nge anbringen, als ich merkte, dass mir einer der Vorhangteile entwendet wurde. Am Tag der Vernissage musste ich dann umdisponieren und habe diesen nun zu sehenden Wandvorhang gen\u00e4ht, der jetzt eine Hybride ist aus beiden Stoffen der ausgestellten Plexiglasarbeiten. Jedoch gef\u00e4llt mir das Spiel aus Transparenz und Opaktheit der \u00fcbereinander und untereinander liegenden Ebenen, auch wenn die Leuchtkraft der Malerei durch den unterlegten Stoff etwas von ihrem strahlenden Ursprung verliert. Nun hat die Arbeit eben eine weitere Ebene gewonnen, womit ich ohnehin in meiner Preplexreihe auf Plexiglas arbeite, da ich sowohl die Vorder- als auch die R\u00fcckseiten der Werke gestalte. Vielleicht entwickelt sich daraus wieder eine neue, bewusste Arbeit. Das zweite Fenster konnte ich mit meiner Ursprungsidee des automatischen Vorhangs vor dem Bild umsetzen. Der Vorhang \u00f6ffnet und schlie\u00dft sich \u00fcber den Tag in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5170-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-993\" srcset=\"https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5170-683x1024.jpg 683w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5170-200x300.jpg 200w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5170-768x1151.jpg 768w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5170-1025x1536.jpg 1025w\" sizes=\"(max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>LWMA: Deine Werke sind selten statisch. Oft wird Ton eingespielt, etwas projiziert oder, wie bei den ausgestellten Werken, Bilder mit Installationen kombiniert, die sich bewegen. Ist es dir wichtig, dass deine Arbeiten dynamisch sind? Und wenn ja, warum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dana:<\/strong>&nbsp;Das stimmt, es hat mich immer ein zeitlicher Verlauf in einem Bild interessiert, auch in Malereien. Ein fordernder Blick beispielsweise, der einem eine Welt \u00f6ffnet voller Geschichten und M\u00f6glichkeiten, die sich in einem weitererz\u00e4hlen. Nat\u00fcrlich bekommt man das auch hin, ohne medien\u00fcbergreifend zu arbeiten. Nur mit Malerei zum Beispiel. Die Dynamik ist, denke ich, bei mir ein sehr spielerischer Vorgang, der aber mit vielen Fragen zu tun hat, die man sich zwangsl\u00e4ufig stellt, wenn man k\u00fcnstlerisch arbeitet. W\u00e4hrend jeder Millisekunde beispielsweise in der sich der Vorhang im Schaufenster \u00f6ffnet oder schlie\u00dft, entsteht im Prinzip ein neues Bild. Nur durch den Stillstand im geschlossenen oder offenen Zustand hat man das Gef\u00fchl, einer Entscheidung gegen\u00fcber zu stehen. In einer permanenten Bewegung, die permanente Ver\u00e4nderungen und Kontexte schafft, hat man einfach nicht die Zeit und die M\u00f6glichkeit sich mit dem Ist-Zustand zu besch\u00e4ftigen, sondern merkt sich eher den Verlauf, l\u00e4sst Dinge vielleicht ungefilterter, intuitiver auf sich einstr\u00f6men. Ein Bild hat etwas dialektisches und ist auch in seiner fixierten Form immer Anfang, Mitte und Ende zugleich. Das was man sieht, ist die Synthese aus unz\u00e4hligen Entscheidungen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LWMA: Cora, lass uns \u00fcber deine Arbeiten sprechen. Alle deine Arbeiten weisen direkt oder indirekt eine Verbindung zum Fantastischen auf. Oft sieht man M\u00e4rchenmotive wie Tauben, Schw\u00e4ne, Meerjungfrauen oder lange Z\u00f6pfe, die man intuitiv mit der Freiheit kindlicher Naivit\u00e4t verbindet. Sowohl deinen Gem\u00e4lden als auch Installationen ist dadurch etwas tr\u00e4umerisches gemein. Was ist dir an diesen Konnotationen und Verbindungen so wichtig?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Cora:<\/strong>&nbsp;Die m\u00e4rchenhafte Bildsprache erlaubt es mir, bekannte Erz\u00e4hlstr\u00e4nge aufzugreifen und Themen wie Identit\u00e4t und Transformation in neue Geschichten zu flechten. Diese Bildwelt ist f\u00fcr mich mit Geheimnis, Magie und dem Unm\u00f6glichen konnotiert.&nbsp;Ich versuche immer wieder, den Raum hinter der Leinwand zu begreifen. Eine T\u00fcr zu einer anderen Welt zu \u00f6ffnen, zu der ich vermeintlich nicht geh\u00f6re und in der eventuell andere Gesetze herrschen. Ich suche einen Moment der Machtlosigkeit \u00fcber meine Arbeit, die mich als Zuschauerin auf der Vorderseite des Vorhangs zur\u00fccksetzt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5177-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-994\" srcset=\"https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5177-683x1024.jpg 683w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5177-200x300.jpg 200w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5177-768x1151.jpg 768w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5177-1025x1536.jpg 1025w\" sizes=\"(max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>LWMA: Im Zentrum all deiner Arbeiten steht der K\u00f6rper, dem du dich malerisch und installativ widmest. Warum ist er so ein wichtiges Motiv f\u00fcr dich?&nbsp;&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Cora:<\/strong>&nbsp;Der K\u00f6rper fungiert f\u00fcr michwie der Vorhang zu einer Theater B\u00fchne. Er trennt die \u00e4u\u00dfere Welt von der inneren. Ich interessiere mich f\u00fcr die Schnittstelle, wo sich diese zwei Welten treffen. Die Haut visualisiert das f\u00fcr mich. Ich frage mich, wie viel von der inneren Welt \u2013 also unsere Fantasien, Wahrheiten und Tr\u00e4ume \u2013 in unsere \u00e4u\u00dfere Realit\u00e4t einflie\u00dft.&nbsp; Und auch umgekehrt, wie unsere Kultur, Natur und Gesellschaft von unserer inneren Welt gepr\u00e4gt wird.&nbsp;Der K\u00f6rper ist wie ein riesiger Filter, der die \u00e4u\u00dfere Realit\u00e4t aufnimmt, sie verarbeitet, und dann wieder aussetzt. Ich glaube, da ich die Welt mit meinem K\u00f6rper erlebe und sie so zu lernen verstehe, steht f\u00fcr mich der K\u00f6rper&nbsp;nun mal&nbsp;immer im Mittelpunkt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LWMA: Neben der Malerei arbeitest du auch viel mit Textilien. So zum Beispiel in der Arbeit \u201eIt Was A Long Walk To The Moon And Back\u201c, in der du aus blauem Samt zwei \u00fcbergro\u00dfe miteinander verbundene F\u00fc\u00dfe gen\u00e4ht hast, deren Verbindungsst\u00fcck den langen Weg zum Mond nachzuvollziehen scheint. Was gef\u00e4llt dir an der Arbeit mit Textil?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Cora:<\/strong>&nbsp;F\u00fcr mich stehen&nbsp;Textil und K\u00f6rper in einem sehr engem Verh\u00e4ltnis. Durch die Mode und den allt\u00e4glichen Gebrauch von Textil ist es ein sehr vertrautes Material f\u00fcr mich. Ich kann Textil zum verkleiden, sch\u00fctzen, verstecken, umh\u00fcllen oder pr\u00e4sentieren vom K\u00f6rper benutzen. Dadurch f\u00fchlt es sich sehr nahe liegend f\u00fcr mich an, mit dem Material zu arbeiten. Zudem mag ich die Handarbeit und damit verbunden, dass ich mich k\u00f6rperlich&nbsp; mit dem Medium auseinandersetze, wie bei meiner genannten Arbeit \u201cIt Was A Long Walk To The Moon And Back\u201d. An so \u00fcbergro\u00dfen Projekten zu arbeiten, ist eine sehr k\u00f6rperliche Erfahrung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5157-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-991\" srcset=\"https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5157-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5157-300x200.jpg 300w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5157-768x512.jpg 768w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5157-1536x1025.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>LWMA: Lass uns \u00fcber deine Arbeiten sprechen, die du im Rahmen der 17. Ausstellung von Lost Weekend meets Young Art ausstellst. Eines der Schaufenster bezeugt dein soeben besprochenes Interesse am Textil. Neben einem silbernen Vorhang am linken Rand des Fensters, dessen Ende aus dem Schaufenster hinaus lugt, h\u00e4ngt mittig eine Kleiderstange, an der mehrere Objekte h\u00e4ngen, die an Kost\u00fcme erinnern. Die Szene hat etwas fl\u00fcchtiges, als habe sich hier gerade jemand umgezogen. War das deine Intention und k\u00f6nntest du uns die einzelnen Objekte und ihre Verbindungen erl\u00e4utern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><br class=\"\">Cora:<\/strong>&nbsp;F\u00fcr meine Arbeit im Lost Weekend habe ich zun\u00e4chst viel \u00fcber die Eigenschaften eines Schaufensters nachgedacht.&nbsp;Durch ihre strengen Parameter und ihre mit Konsum konnotierten Eigenschaften find ich sie besonders. Doch Ich kam immer wieder zur\u00fcck zu der Idee, dass sich ein Schaufenster perfekt als B\u00fchne bespielen lassen w\u00fcrde. Ich wollte den Raum allerdings nicht so, wie man es erwarten w\u00fcrde, aufteilen. Also, dass hinter dem Glas die B\u00fchne ist und sich vor dem Glas die Zuschauer befinden. Mir war es wichtig zu zeigen, was hinter dem (B\u00fchnen-)Vorhang passiert. Dass die Betrachter das Gef\u00fchl haben, hinter die Kulissen zu blicken. Durch den eingeklemmten Vorhang bleibt es allerdings offen, auf welcher Seite der B\u00fchne man sich befindet. Ist man selbst derjenige, der gerade von der B\u00fchne kommt und sich umzieht, oder ist man der Besucher, der zu sp\u00e4t gekommen ist und nur noch \u00dcberbleibsel der Vorstellung findet? Der eingeklemmte Vorhang irritiert. Man fragt sich: War gerade noch jemand da? Habe ich etwas verpasst? Wenn man genau hinschaut, k\u00f6nnen die Textil-Arbeiten dieses R\u00e4tsel auch nicht aufl\u00f6sen. Sie ergeben keinen Sinn. Ein Helm, der \u00fcber den ganzen Kopf gest\u00fclpt wird, Schuhe\/Stelzen, mit denen man nicht laufen kann, ein Ganzk\u00f6rperanzug ohne Arme oder Beine oder ein Brustschild mit L\u00f6chern in Formen von Herzen. Das B\u00fchnen Geheimnis wird nicht gel\u00fcftet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LWMA: Der silberne Vorhang ist auch Teil des zweiten von dir gestalteten Schaufensters. Dieses Mal h\u00e4ngt er mittig, verbirgt Teile deiner&nbsp;f\u00fcnf&nbsp;ausgestellten Gem\u00e4lde, was den intimen und vertr\u00e4umten Charakter der Motive unterst\u00fctzt. Neben M\u00fcndern, die das Zentrum muschelartiger Formen bilden, sieht man geschlossene Augen. Alles ist in warmen Rosa- und Blaut\u00f6nen gehalten. Nimm uns doch bitte mit in den Entstehungsprozess. Mit welchen Materialien hast du gearbeitet? War es dir wichtig, eine Atmosph\u00e4re der Intimit\u00e4t herzustellen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Cora:<\/strong>&nbsp;Hier wollte ich ebenfalls das Gef\u00fchl vermitteln, man schaue hinter einen Vorhang. Dieses Mal allerdings in einem etwas intimeren Setting, weil die Anordnung aussieht, als luge man in die Wohnung von seinen gegen\u00fcberliegenden Nachbarn. Man bekommt intime Momente mit, ohne es zu wollen. Es sieht aus als w\u00e4re es ein Versehen oder ein Zufall, dass der Vorhang weggeschoben wurde. Und das Motiv der muschelartigen Mischwesen passt in diesem Zusammenhang, weil es f\u00fcr mich geheimnisvolle Charaktere sind. Muscheln k\u00f6nnen Perlen aus Sand formen, eine im Geheimen stattfindende Transformation. Die Atmosph\u00e4re in meiner Arbeit ist mir sehr wichtig. Sie ist ausschlaggebend f\u00fcr die Entscheidung, welche Materialien und Farben ich benutze. Bei dieser Arbeit habe ich zum Beispiel ganz klassisch mit \u00d6l auf Leinwand gemalt, in der Vergangenheit auch mit alten Techniken wie Fresko oder Encaustic, um die Stimmung eines Bildes zu beeinflussen. Auch der etwas mattere Vorhang in diesem Fenster ist speziell ausgew\u00e4hlt, um die sanfte und etwas kitschige Atmosph\u00e4re zu unterstreichen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"623\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5145-623x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-989\" srcset=\"https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5145-623x1024.jpg 623w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5145-183x300.jpg 183w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5145-768x1262.jpg 768w, https:\/\/danagreiner.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC5145-935x1536.jpg 935w\" sizes=\"(max-width: 623px) 100vw, 623px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>LWMA: Cora, Dana, wie seid ihr auf den Titel der Ausstellung gekommen und inwiefern passt er zu euren Arbeiten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Cora:<\/strong>&nbsp;Das war eine schnelle Entscheidung. Eine von vielen genialen Vorschl\u00e4gen von Dana. Sie hatte mir ihn genannt, und ich dachte sofort: Ja, klar, das ist genau richtig. \u201eClandestine Encore\u201c, &nbsp;also: eine heimliche Zugabe. F\u00fcr mich schildert es einen Moment der Ungewissheit in der Begeisterung. Es verortet die Ausstellung auf einer B\u00fchne und erz\u00e4hlt auf eine poetische Weise das Fl\u00fcchtige und Stille einer Ausstellung im Schaufenster.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dana:&nbsp;<\/strong>Ich wei\u00df auch nicht genau. Titel fallen mir immer sprunghaft ein. Sie sind da, wenn ich wei\u00df, dass sie bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>August &#8211; September 2022, Lost weekend gallery, Munich<\/p>\n<p>Interview with Lea Mohr:<\/p>\n<p>Clandestine Encore \u2013 heimliche Zugabe. Das ist der Titel, den Cora W\u00f6llenstein und Dana Greiner f\u00fcr die 17. Ausstellung von Lost Weekend meets Young Art ausgew\u00e4hlt haben. F\u00fcr Cora schildert er einen \u201eMoment der Ungewissheit in der Begeisterung\u201c&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":995,"template":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/danagreiner.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/exhibitions\/988"}],"collection":[{"href":"https:\/\/danagreiner.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/exhibitions"}],"about":[{"href":"https:\/\/danagreiner.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/exhibitions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/danagreiner.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/995"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/danagreiner.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=988"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}