dana greiner

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Clandestine Encore

August – September 2022, Lost weekend gallery, Munich

Clandestine Encore

Clandestine Encore – heimliche Zugabe. Das ist der Titel, den Cora Wöllenstein und Dana Greiner für die 17. Ausstellung von Lost Weekend meets Young Art ausgewählt haben. Für Cora schildert er einen „Moment der Ungewissheit in der Begeisterung“. Treffender könnte man das Erleben ihrer Werke wohl nicht in Worte fassen. Den Arbeiten beider Künstlerinnen sind Momente der Introversion gemein. Momente, in denen man das Gefühl hat, die Bilder entziehen sich mehr, als dass sie sich deuten lassen. Und genau dieses Spiel zwischen Präsentation bei gleichzeitigem Entzug ist es, was die Arbeiten beider Künstlerinnen bestimmt und zusammenzieht. Dana Greiner, 34, hat Malerei studiert, versteht sich allerdings nicht als klassische Malerin. Die Künstlerin reizt das Spiel mit Gattungsgrenzen, die sie ungern akzeptiert. Malerei, raumgreifende Installationen, musikalische Kompositionen oder auch eine Gemengelage aus Allem – ihr ist es wichtig, sich nicht festzulegen. In vielen ihrer Arbeiten lässt sich eine Liebe zu  geometrischen Formen und Neonfarben feststellen. 2014 wurde sie durch Pia Fries an der Akademie der Bildenden Künste in München zur Meisterschülerin ernannt und machte dort 2017 ihr Diplom. Auch Cora Wöllenstein, 34, will sich ungern auf ein Medium festlegen. Auch wenn ihre erste Liebe die Malerei gewesen sei, ist es der Künstlerin wichtig, „von der Wand wegzukommen“. Und das geschieht zumeist in Form von Bildhauerei. Das gemeinsame Sujet all ihrer Arbeiten, ist das des Märchens. Ihre Ölgemälde, Textilobjekte und Installationen weisen durch Motive wie Schwäne, Perlen oder lange Zöpfe einen Hang zum Fantastischen auf. Sie scheinen Geschichten zu erzählen, die bei den Betrachter:innen unweigerlich Kindheitsreminiszenzen auslösen. Wolfgang Ellenrieder ernannte sie  2018 an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig zur Meisterschülerin.

Die Künstlerinnen haben uns zu einem gemeinsamen Gespräch gebeten. 

Lost Weekend meets Young Art: Wieso wolltet ihr das Interview zusammen machen?      


Dana Greiner:
 Wegen eines magischen Moments, der bei unserem Kennenlernen eingetreten ist. Wir kannten uns ja nicht, erst Jaemin Lee, der Kurator von Lost Weekend meets Young Art, hat uns zusammengebracht. Am Anfang haben wir kurz lose geschrieben: Was könnte man sich vorstellen? Zieht jeder seine eigene Arbeit durch, oder hat man einen gemeinsamen Überbau? Ich hatte schon eine genaue Vorstellung und wie sich rausstellte, Cora auch. Ich habe Cora geschrieben, dass es um Vorhänge und Erweiterung geht. Und verrückter- bzw. magischerweise bei Dir ja auch, Cora.  Und als wir uns dann kennengelernt haben, hat alles sofort gestimmt und wir konnten fabelhaft miteinander sprechen und arbeiten. Bei all den Überschneidungspunkten und nach fünftägigem Beieinandersein, ist ein gemeinsames Interview eigentlich eine folgerichtige Konsequenz. Vor allem, weil es trotz der getrennten Arbeiten zu einer Gemeinschaftsarbeit geworden ist, da Gedanken von uns allen in die Hängungen eingeflossen sind.

Cora Wöllenstein: Ja, genau. Das Zusammenkommen mit Dana war ein wahnsinnig positives Erlebnis, das ich so nur selten erlebe. Ohne viel Absprache oder Vorbereitung kamen wir direkt auf ein gemeinsames Motiv in unserer Arbeit, das uns verbindet: der Vorhang. Obwohl wir sehr verschieden arbeiten, war der gemeinsame Aufbau unbeschreiblich symbiotisch. Fast alle Entscheidungen bezüglich der Hängungen und der Gestaltung der Räumlichkeiten wurden zusammen getroffen. Für mich war direkt klar, dass wir die Ausstellung wirklich zusammen machen und damit ging für mich auch das Interview einher.

LWMA: Dana, wenn man sich mit deinen Arbeiten beschäftigt, kann man feststellen, dass du multimedial arbeitest. Du malst, arbeitest aber auch installativ und verwendest ebenso Elemente aus dem Theater oder der Musik. Was reizt dich an diesen Kombinationen?

Dana: Eigentlich spielen die Fragen, die man sich stellt, eine viel größere Rolle als eine Technik, auf die man sich festlegen will. Die unterschiedlichen Medien sind einfach nur Satzzeichen und Vokabular. Da ich nach langer Zeit endlich eine Form gefunden habe, Grenzen der unterschiedlichen Kunstgattungen für mich sinnhaft zu verbinden, bin ich mit dem Wortschatz, den ich mir momentan zur Verfügung gestellt habe, sehr glücklich. Es gibt für mich keinen Grund, sich zu begrenzen, wieso auch? Eine Definition ist für eine Beschreibung natürlich immer attraktiv. Aber es geht mir um den Ausdruck, die Atmosphäre und die Zwischenräume, die sich zu einem Bild, einer Wahrnehmung zusammenfügen, nicht ausschließlich um die Vielfalt der genutzten Medien oder den technischen Anteil. In meinen „Lüden in Ekcten“, die sich wie ein abstraktes Theaterstück in unterschiedlichen Akten erleben lassen, verbinde ich „statische“ Malerei mit Projektion, Musik, Text und Skulptur. Diese erweitern sich gegenseitig und ändern Kontexte und zeitliche Verlaufsformen durch das Spiel mit Bewegung und Statik. Wie in einem dramaturgischen Staffellauf löst jede Kunstgattung die andere an der Überschneidungskante ihrer naturgegebenen Grenze ab und lässt das erweiternde Medium zum Zug. Die gemeinsamen Schnittstellen und Überlappungen sind für mich hier interessant.

LWMA: Bei fast allen deinen Arbeiten lässt sich ein Interesse an geometrischen Formen feststellen, das du mal malerisch mal installativ zur Schau stellst. Woher kommt dieses Interesse und was genau lässt dich an der Arbeit mit diesen Formen festhalten?

Dana: Für mich lässt sich mit diesen Formen einfach nahezu ausnahmslos alles ausdrücken. Alle Körper bestehen aus geometrischen Formen, und selbst Gefühle und Verstecke, Prozesse und neutrale Zustände können sich je nach Kombinatorik in geometrischen Figuren ausdrücken lassen. In Verbindung mit Farben, unterschiedlichem Malmaterial sowie Lesegewohnheiten, die man unterstreichen und/oder gezielt brechen kann, werden diese Formen dann charakterisiert und untereinander in Beziehung gesetzt. Symmetrie, gerade/ungerade/prim, Ungenauigkeiten, an denen man hängen bleibt u.s.w., das alles wird zu einem komplexen Gefüge, das man in eine fortwährende Kommunikation setzen kann und trotz allem ein Ende findet. Wie ein Freeze einer Szene, eine Momentaufnahme, dessen Vorher und Nachher man zu kennen glaubt, diese bildliche Kommunikation schützt und bestärkt ohne sie jedoch abzubrechen.

LWMA: Neben der Arbeit mit geometrischen Formen zieht sich auch die Wahl stark leuchtender Farben wie ein roter Faden durch deine Werke. Was zieht dich an diesen Farben an? Ist es ein Interesse am Artifziellen?

Dana: Ehrlich gesagt frage ich mich das auch. Ich habe momentan schon die Theorie, dass ich leuchtende Farbe so gerne nutze, weil ich immer eher nachts, bzw. im Neonlicht des Halbdunklen arbeite. Das ist es aber, glaube ich, nicht. Ich habe mich eigentlich schon als Kind von Neonfaben mehr angezogen gefühlt als von Pastellen. Die Assoziation mit Neon ist oft schreierisch und geht bis zum Trash. Aber für mich haben diese Farben ein großes Potenzial für Traurigkeit, je nachdem, in welcher Form sie auftreten und womit sie in Verbindung gesetzt werden. Neonfarben verlieren sofort an Strahlkraft, wenn sie in Berührung mit einer anderen Farbe kommen. Deshalb stehen sie eigentlich immer allein, unverändert, ungemischt. Nur die Umgebung setzt sie in ein anderes Wahrnehmungsfeld. Sie sind abhängig von anderen. Das macht sie vielleicht so besonders für mich. Glücklich und ausdrucksstark in sich selbst, abhängig von der Außenwelt und anfällig für Fehlinterpretation. Damit lassen sich viele Geschichten erzählen.

LWMA: Dana, lass uns über deine Werke, die du für die Ausstellung ausgewählt hast, sprechen. Eines der Schaufenster zeigt eine Art Kaleidoskop geometrischer Formen, die sich gegenseitig überlagern und in Grün-, Blau-, Orange- und Rosatönen erleuchten. Eingefasst ist das Bild von einem orangenen Rahmen. Es hängt vor einem Vorhang, der das Motiv des Bildes nicht nur aufzugreifen, sondern auch zu erweitern scheint, und an dessen Ende lilane Fäden hängen. Das zweite von dir gestaltete Fenster funktioniert ähnlich. Allerdings hast du vor der Arbeit auf Plexiglas einen elektrischen Vorhang angebracht, der das Bild in unregelmäßigen Abständen verdeckt oder zeigt. Nimm uns bitte mit in die Entstehungsprozesse.

Dana: Das ist eine etwas blöde Geschichte. Das erste meiner Fenster von links war ursprünglich anders konzipiert. Ich habe eigentlich zwei Arbeiten entwickelt, die mit einer automatischen Vorhangstange arbeiten, an deren Seiten bedruckte Stoffe hängen, die die reale Malerei (Preplex Serie) links und rechts erweitern, sich aber auch zu einem einheitlichen Bild auf Stoff formieren, wenn sich der Vorhang schließt. Wir hatten alles aufgebaut und installiert und ich dachte, ich muss nur noch die Vorhänge anbringen, als ich merkte, dass mir einer der Vorhangteile entwendet wurde. Am Tag der Vernissage musste ich dann umdisponieren und habe diesen nun zu sehenden Wandvorhang genäht, der jetzt eine Hybride ist aus beiden Stoffen der ausgestellten Plexiglasarbeiten. Jedoch gefällt mir das Spiel aus Transparenz und Opaktheit der übereinander und untereinander liegenden Ebenen, auch wenn die Leuchtkraft der Malerei durch den unterlegten Stoff etwas von ihrem strahlenden Ursprung verliert. Nun hat die Arbeit eben eine weitere Ebene gewonnen, womit ich ohnehin in meiner Preplexreihe auf Plexiglas arbeite, da ich sowohl die Vorder- als auch die Rückseiten der Werke gestalte. Vielleicht entwickelt sich daraus wieder eine neue, bewusste Arbeit. Das zweite Fenster konnte ich mit meiner Ursprungsidee des automatischen Vorhangs vor dem Bild umsetzen. Der Vorhang öffnet und schließt sich über den Tag in unregelmäßigen Abständen.

LWMA: Deine Werke sind selten statisch. Oft wird Ton eingespielt, etwas projiziert oder, wie bei den ausgestellten Werken, Bilder mit Installationen kombiniert, die sich bewegen. Ist es dir wichtig, dass deine Arbeiten dynamisch sind? Und wenn ja, warum?

Dana: Das stimmt, es hat mich immer ein zeitlicher Verlauf in einem Bild interessiert, auch in Malereien. Ein fordernder Blick beispielsweise, der einem eine Welt öffnet voller Geschichten und Möglichkeiten, die sich in einem weitererzählen. Natürlich bekommt man das auch hin, ohne medienübergreifend zu arbeiten. Nur mit Malerei zum Beispiel. Die Dynamik ist, denke ich, bei mir ein sehr spielerischer Vorgang, der aber mit vielen Fragen zu tun hat, die man sich zwangsläufig stellt, wenn man künstlerisch arbeitet. Während jeder Millisekunde beispielsweise in der sich der Vorhang im Schaufenster öffnet oder schließt, entsteht im Prinzip ein neues Bild. Nur durch den Stillstand im geschlossenen oder offenen Zustand hat man das Gefühl, einer Entscheidung gegenüber zu stehen. In einer permanenten Bewegung, die permanente Veränderungen und Kontexte schafft, hat man einfach nicht die Zeit und die Möglichkeit sich mit dem Ist-Zustand zu beschäftigen, sondern merkt sich eher den Verlauf, lässt Dinge vielleicht ungefilterter, intuitiver auf sich einströmen. Ein Bild hat etwas dialektisches und ist auch in seiner fixierten Form immer Anfang, Mitte und Ende zugleich. Das was man sieht, ist die Synthese aus unzähligen Entscheidungen. 

LWMA: Cora, lass uns über deine Arbeiten sprechen. Alle deine Arbeiten weisen direkt oder indirekt eine Verbindung zum Fantastischen auf. Oft sieht man Märchenmotive wie Tauben, Schwäne, Meerjungfrauen oder lange Zöpfe, die man intuitiv mit der Freiheit kindlicher Naivität verbindet. Sowohl deinen Gemälden als auch Installationen ist dadurch etwas träumerisches gemein. Was ist dir an diesen Konnotationen und Verbindungen so wichtig?

Cora: Die märchenhafte Bildsprache erlaubt es mir, bekannte Erzählstränge aufzugreifen und Themen wie Identität und Transformation in neue Geschichten zu flechten. Diese Bildwelt ist für mich mit Geheimnis, Magie und dem Unmöglichen konnotiert. Ich versuche immer wieder, den Raum hinter der Leinwand zu begreifen. Eine Tür zu einer anderen Welt zu öffnen, zu der ich vermeintlich nicht gehöre und in der eventuell andere Gesetze herrschen. Ich suche einen Moment der Machtlosigkeit über meine Arbeit, die mich als Zuschauerin auf der Vorderseite des Vorhangs zurücksetzt. 

LWMA: Im Zentrum all deiner Arbeiten steht der Körper, dem du dich malerisch und installativ widmest. Warum ist er so ein wichtiges Motiv für dich?  

Cora: Der Körper fungiert für michwie der Vorhang zu einer Theater Bühne. Er trennt die äußere Welt von der inneren. Ich interessiere mich für die Schnittstelle, wo sich diese zwei Welten treffen. Die Haut visualisiert das für mich. Ich frage mich, wie viel von der inneren Welt – also unsere Fantasien, Wahrheiten und Träume – in unsere äußere Realität einfließt.  Und auch umgekehrt, wie unsere Kultur, Natur und Gesellschaft von unserer inneren Welt geprägt wird. Der Körper ist wie ein riesiger Filter, der die äußere Realität aufnimmt, sie verarbeitet, und dann wieder aussetzt. Ich glaube, da ich die Welt mit meinem Körper erlebe und sie so zu lernen verstehe, steht für mich der Körper nun mal immer im Mittelpunkt. 

LWMA: Neben der Malerei arbeitest du auch viel mit Textilien. So zum Beispiel in der Arbeit „It Was A Long Walk To The Moon And Back“, in der du aus blauem Samt zwei übergroße miteinander verbundene Füße genäht hast, deren Verbindungsstück den langen Weg zum Mond nachzuvollziehen scheint. Was gefällt dir an der Arbeit mit Textil?

Cora: Für mich stehen Textil und Körper in einem sehr engem Verhältnis. Durch die Mode und den alltäglichen Gebrauch von Textil ist es ein sehr vertrautes Material für mich. Ich kann Textil zum verkleiden, schützen, verstecken, umhüllen oder präsentieren vom Körper benutzen. Dadurch fühlt es sich sehr nahe liegend für mich an, mit dem Material zu arbeiten. Zudem mag ich die Handarbeit und damit verbunden, dass ich mich körperlich  mit dem Medium auseinandersetze, wie bei meiner genannten Arbeit “It Was A Long Walk To The Moon And Back”. An so übergroßen Projekten zu arbeiten, ist eine sehr körperliche Erfahrung.

LWMA: Lass uns über deine Arbeiten sprechen, die du im Rahmen der 17. Ausstellung von Lost Weekend meets Young Art ausstellst. Eines der Schaufenster bezeugt dein soeben besprochenes Interesse am Textil. Neben einem silbernen Vorhang am linken Rand des Fensters, dessen Ende aus dem Schaufenster hinaus lugt, hängt mittig eine Kleiderstange, an der mehrere Objekte hängen, die an Kostüme erinnern. Die Szene hat etwas flüchtiges, als habe sich hier gerade jemand umgezogen. War das deine Intention und könntest du uns die einzelnen Objekte und ihre Verbindungen erläutern?


Cora:
 Für meine Arbeit im Lost Weekend habe ich zunächst viel über die Eigenschaften eines Schaufensters nachgedacht. Durch ihre strengen Parameter und ihre mit Konsum konnotierten Eigenschaften find ich sie besonders. Doch Ich kam immer wieder zurück zu der Idee, dass sich ein Schaufenster perfekt als Bühne bespielen lassen würde. Ich wollte den Raum allerdings nicht so, wie man es erwarten würde, aufteilen. Also, dass hinter dem Glas die Bühne ist und sich vor dem Glas die Zuschauer befinden. Mir war es wichtig zu zeigen, was hinter dem (Bühnen-)Vorhang passiert. Dass die Betrachter das Gefühl haben, hinter die Kulissen zu blicken. Durch den eingeklemmten Vorhang bleibt es allerdings offen, auf welcher Seite der Bühne man sich befindet. Ist man selbst derjenige, der gerade von der Bühne kommt und sich umzieht, oder ist man der Besucher, der zu spät gekommen ist und nur noch Überbleibsel der Vorstellung findet? Der eingeklemmte Vorhang irritiert. Man fragt sich: War gerade noch jemand da? Habe ich etwas verpasst? Wenn man genau hinschaut, können die Textil-Arbeiten dieses Rätsel auch nicht auflösen. Sie ergeben keinen Sinn. Ein Helm, der über den ganzen Kopf gestülpt wird, Schuhe/Stelzen, mit denen man nicht laufen kann, ein Ganzkörperanzug ohne Arme oder Beine oder ein Brustschild mit Löchern in Formen von Herzen. Das Bühnen Geheimnis wird nicht gelüftet.

LWMA: Der silberne Vorhang ist auch Teil des zweiten von dir gestalteten Schaufensters. Dieses Mal hängt er mittig, verbirgt Teile deiner fünf ausgestellten Gemälde, was den intimen und verträumten Charakter der Motive unterstützt. Neben Mündern, die das Zentrum muschelartiger Formen bilden, sieht man geschlossene Augen. Alles ist in warmen Rosa- und Blautönen gehalten. Nimm uns doch bitte mit in den Entstehungsprozess. Mit welchen Materialien hast du gearbeitet? War es dir wichtig, eine Atmosphäre der Intimität herzustellen?

Cora: Hier wollte ich ebenfalls das Gefühl vermitteln, man schaue hinter einen Vorhang. Dieses Mal allerdings in einem etwas intimeren Setting, weil die Anordnung aussieht, als luge man in die Wohnung von seinen gegenüberliegenden Nachbarn. Man bekommt intime Momente mit, ohne es zu wollen. Es sieht aus als wäre es ein Versehen oder ein Zufall, dass der Vorhang weggeschoben wurde. Und das Motiv der muschelartigen Mischwesen passt in diesem Zusammenhang, weil es für mich geheimnisvolle Charaktere sind. Muscheln können Perlen aus Sand formen, eine im Geheimen stattfindende Transformation. Die Atmosphäre in meiner Arbeit ist mir sehr wichtig. Sie ist ausschlaggebend für die Entscheidung, welche Materialien und Farben ich benutze. Bei dieser Arbeit habe ich zum Beispiel ganz klassisch mit Öl auf Leinwand gemalt, in der Vergangenheit auch mit alten Techniken wie Fresko oder Encaustic, um die Stimmung eines Bildes zu beeinflussen. Auch der etwas mattere Vorhang in diesem Fenster ist speziell ausgewählt, um die sanfte und etwas kitschige Atmosphäre zu unterstreichen. 

LWMA: Cora, Dana, wie seid ihr auf den Titel der Ausstellung gekommen und inwiefern passt er zu euren Arbeiten?

Cora: Das war eine schnelle Entscheidung. Eine von vielen genialen Vorschlägen von Dana. Sie hatte mir ihn genannt, und ich dachte sofort: Ja, klar, das ist genau richtig. „Clandestine Encore“,  also: eine heimliche Zugabe. Für mich schildert es einen Moment der Ungewissheit in der Begeisterung. Es verortet die Ausstellung auf einer Bühne und erzählt auf eine poetische Weise das Flüchtige und Stille einer Ausstellung im Schaufenster.

Dana: Ich weiß auch nicht genau. Titel fallen mir immer sprunghaft ein. Sie sind da, wenn ich weiß, dass sie bleiben.

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